Im Blinzeln der großen Katze
    
Buch empfehlen    
”Kerlchen, ich sage dir: ein lebenslänglich Verurteilter lag in dunkler Zelle, viele Jahre lang. Das Wasser tropfte auf seine Hand, die er nicht sah, das war die Interpunktion seiner Zeit; die Schlüssel des Wärters klirrten einmal und dann in endloser Schwärze lange nicht, das war der Sabbat seines Ohrs.
Dieser Gefangene erhob sich eines Tages und erschlug den Wärter. Er ging durch seine Tür und einen Gang, und er tat eine andere Tür auf, und der blühende Sommer sprang ihm ins Gesicht und auf seine Brust.
Der Gefangene fiel auf seine Knie, und er segnete die Sonne und das Himmelsblau, die flatternden Flügel der kleinen Vögel segnete er und die nickenden Blütenkelche."
Friedrich Lütt, ein Bankbeamter, der seit einem halben Jahr in Untersuchungshaft sitzt. Ihm wird vorgeworfen, eine Prostituierte, Erna Habermann, und kurz danach die "Braut (s)eines Bruders", Pübe, ermordet zu haben. Man hat ihm Feder und Papier gegeben und er darf schreiben und nutzt das Privileg für Aufzeichnungen über seinen Fall. 
Hans Fallada, eigentlich Rudolf Wilhelm Friedrich Ditzen (1893-1947) war ein deutscher Schriftsteller. Bereits mit dem ersten, 1920 veröffentlichten Roman "Der junge Goedeschal" verwendete Rudolf Ditzen das Pseudonym Hans Fallada. Es entstand in Anlehnung an zwei Märchen der Brüder Grimm. Der Vorname bezieht sich auf den Protagonisten von "Hans im Glück" und der Nachname auf das sprechende Pferd Falada aus "Die Gänsemagd": Der abgeschlagene Kopf des Pferdes verkündet so lange die Wahrheit, bis die betrogene Prinzessin zu ihrem Recht kommt. Fallada wandte sich spätestens 1931 mit "Bauern, Bonzen und Bomben" gesellschaftskritischen Themen zu. Fortan prägten ein objektiv-nüchterner Stil, anschauliche Milieustudien und eine überzeugende Charakterzeichnung seine Werke. Der Welterfolg "Kleiner Mann – was nun?", der vom sozialen Abstieg eines Angestellten am Ende der Weimarer Republik handelt, sowie die späteren Werke "Wolf unter Wölfen", "Jeder stirbt für sich allein" und der postum erschienene Roman "Der Trinker" werden der sogenannten Neuen Sachlichkeit zugerechnet.
Mehr zeigen